Neue Schachregeln
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Das gehört bei Schachregeln geändert!
Wolfgang Hauptwall: Eine subjektive Meinung, wie die Regeln sein sollten...


Schachmarke Finnland 1952 Einfach von Grund auf neu durchdacht
Ich als Mentaltrainer übernehme viele Dinge nicht einfach automatisch, sondern mache mir meine eigenen Gedanken dazu. Ich leiste mir sozusagen den Luxus, selbst zu denken. Dies habe ich auch bei den Schachregeln so gemacht - und da kommt mir manches doch sehr komisch vor, um nicht zu sagen, sogar falsch. Nachfolgend habe ich meine Gedankengänge etwas präzisiert und auch detailliert ausgeführt, warum ich zu dieser oder jener Meinung (Ansicht) gekommen bin.  

Schach symbolisiert den Kampf zweier Heere

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich darauf hinweise, das Schach ein Spiel ist, welches den Krieg auf dem Schachbrett simuliert - in friedlicher Weise sozusagen. Daher ist auch die Bezeichnung falsch, dass Schach ein kriegerisches Spiel ist. Aber immerhin, das Ziel ist es, den König matt zu setzen, also den König zu erlegen. Schach matt heißt ja immerhin: "Der König ist tot." Das ganze Spiel symbolisiert ein Heer mit Infanterie und Kavallerie, Fußvolk, Offizieren, König und Königin.  

Die Regeln sind nun an diese Szenerie angelehnt und haben so gesehen auch sehr viel Logisches. Das ist mal die Eröffnung, irgendeiner muss ja mal anfangen, das Mittelspiel - hier tobt der Kampf - und dann noch das Endspiel. Die Figuren- und Chancengleichheit ist zwar in der Praxis nicht immer gegeben, aber sie ist fürs Spiel wichtig, denn sonst wären die Regeln zu kompliziert oder überhaupt nicht zu erstellen. 

Was stört oder fehlt an den bisherigen Regeln?

Einige Punkte sind mir beim Durchdenken doch aufgefallen, die einerseits gar nicht ins Spiel passen und andererseits sogar kontraproduktiv sind. Hier sind sie:

  • Zugzwang

  • Patt

  • den König schlagen

  • Rochade neu

  • Sperrfeuer


Zugzwang wozu?

Eine Regel, die dem tatsächlichen Kampfgeschehen widerspricht und auch für das Spiel nicht erforderlich ist. Wie oft kommt es in der Praxis doch vor, dass man einfach nicht handeln kann - oder will? Sehr oft. Man hat in diesem Fall eben die Folgen, den Schaden zu tragen. Im Schach sollte es genauso sein. Ein Gegner wartet nicht, ob ich meine Verteidigung aufbauen kann oder nicht. Ich kann ihn auch nicht zwingen dazu. Darum sollte jeder Schachspieler auch die Möglichkeit haben, nicht zu ziehen. 

Schachregel Zugzwang von chessheroMan nehme nur mal die Situation bei einer Belagerung. Eine Belagerung ist ja eine typische Kampfsituation und kommt im Krieg oft vor. Stellungen werden belagert, Burgen, Bunker und ganze Städte. Der Sinn einer Belagerung ist es ja, den Gegner kampfunfähig zu machen und zu schwächen, wenn es sein muss, dann auch auf lange Zeit. Während der Belagerte von der Versorgung abgeschnitten ist, kann der Belagerer nach Belieben weitere Truppen und Waffen heranziehen, Lebensmittel besorgen u.ä.m. Wenn nun in der Praxis der Belagerte nicht mehr ziehen kann oder sogar kampfunfähig ist, dann kann es doch niemals ein Unentschieden geben. Viele Burgen sind schon durch Belagerung erobert worden. Daher: Weg mit dem Zugzwang!

Die Praxis kann dann so aussehen:
Spieler A zieht nicht, dann kommt B dran. Spieler A schreibt in sein Formular einen Strich und drückt die Uhr. Zieht auch B nicht, dann ist das ein Remis.


Patt wozu?

Schachregel patt von chessheroWie bereits beim Zugzwang ausgeführt, ist es ja ein kriegerisches Ziel, den Gegner bewegungs- oder kampfunfähig zu machen. Wenn mir das dann im Spiel gelungen ist, dann ist (nach den jetzigen Regeln) der Gegner patt und das Spiel ist unentschieden. Das ist ja völlig verkehrt!
In der Realität, also im Krieg wird mein Gegner diese Situation ja wieselflink ausnutzen, denn sonst hätte ja der Krieg überhaupt keinen Sinn. Die logische Schlussfolgerung daraus lautet daher:  Patt wozu? Das Patt kann und sollte man sofort abschaffen! Statt dessen tritt die Zugaussetzung in Kraft und er Gegner kann sich in aller Ruhe überlegen, wie er den König nun matt macht.


Schachkönig von chesshero Der König darf nicht geschlagen werden?

Diese Regel widerspricht dem Krieg an sich. Wenn es das Ziel ist, den König zu erlegen, dann ist es wohl logisch, dass ich den König bei einer Unachtsamkeit des Gegners auch schlagen kann. Das ist ja mein Ziel, warum sollte das dann nicht gehen?

Schachregel "König" von chessheroDer Gegner muss halt entsprechend auf seinen König aufpassen. Auch in der Realität wurden schon viele Könige erledigt. Warum sollte das im Schach anders sein? Die logische Forderung lautet daher: Auch der König darf geschlagen werden!  Warum sollte es im Schach anders sein als im Leben? 
Außerdem, wenn die en-passant-Regel bei Bauern gilt, warum sollte sie dann nicht auch beim König gelten? Beispielsweise bei einer falsch durchgeführten Rochade? Es ist kein Grund dafür zu sehen.

 


Variable Aufstellung

Schachregel "variable Aufstellung" von chessheroKein Feldherr würde auf die Idee kommen, sein Heer immer gleich aufzustellen und zu gruppieren.  Das kommt auf die Lage an, auf die Topographie, auf das Stärkeverhältnis und vieles mehr. All diese strategischen Möglichkeiten, fehlen beim Schach. Kommt es zu einer Schlacht, so hat in der Realität der König meist ausreichend Zeit, zu überlegen, ob er sich in einer Burg verschanzt, an vorderster Front kämpft oder seine Offiziere erst mal in die Schlacht schickt. Je nachdem, ob er an Angriff oder Verteidigung denkt. Beim Schach sollte dieses strategische Element zumindest teilweise auch zum Zug kommen. 

Daher folgender Vorschlag:
Türme, Springer und Läufer können frei auf der Grundlinie aufgestellt werden. Die Bauern bleiben wie gehabt. Es sind dann also auch 2 schwarzfeldrige Läufer oder 2 weißfeldrige  Läufer möglich. König und Dame bleiben wie gehabt. Die Offiziere und die Türme können variiert werden. Es sind dann auch 2 Türme auf einer Seite möglich, genauso 2 Springer oder 2 Läufer.


Rochade neu

Schachregel Rochade neu von chessheroDie Rochade-Regel ist ja wohl eine sehr eigenartige. Wenn es dem König möglich ist, trickreich mit dem Turm die Position zu wechseln, dann sollte das nicht nur 1x, sondern immer möglich sein. Das würde auch den besonderen Fähigkeiten eines Königs entsprechen. Dazu ist aber eine Rochade neu notwendig. Die neue Regel sollte wie folgt lauten: Rochade neu:
Der König kann auf der Grundlinie über den Turm springen. Dazu ist es erforderlich, dass der Turm unmittelbar neben dem König steht und ein Feld links oder rechts vom Turm frei ist. Damit ist die lange und kurze Rochade hinfällig. Aber der Vorteil bei der neuen Rochade ist der, dass der König diese "Rochade neu" immer ausführen kann, also auch wieder zurück springen kann. Allerdings nur auf der Grundlinie. Er kann sich somit einem Schach entziehen oder seine Position schnell ändern.  Und das nicht nur einmal, sondern ständig. Verlässt er allerdings die Grundlinie, also den geschützten Hafen, dann ist es mit dieser "Kunst" vorbei. Erst wenn er wieder auf seine Grundlinie zurückkehrt, ist diese Rochade wieder möglich.


Sperrfeuer

Schachregel Sperrfeuer von chessheroIn der heutigen Kriegsführung ist das Sperrfeuer eine Standardvariante. Wenn jemand in ein Gebiet gerät, dass mit Sperrfeuer belegt ist, dann hat das üble Folgen. Im Schach sollte es genauso sein. Ein Turm kann ein Sperrfeuer errichten, eine Dame und ein Läufer ebenso. Der Springer hat eher die Fähigkeit, Felder zu verminen. Wie funktioniert das Sperrfeuer nun?
Man sollte nicht über Bereiche fahren, die mit einem Sperrfeuer belegt sind. Angenommen die schwarze Dame steht auf a7 und möchte auf der 7. Reihe nach h7 fahren. Die ganze 7. Reihe ist frei, aber auf d1 steht ein weißer Turm und der hat freie Bahn bis zum Feld d8. Die schwarze Dame müsste nun das Sperrfeuer kreuzen. Bisher war dies problemlos möglich (warum eigentlich?). In der neuen Variante sollte das aber nicht mehr möglich sein, bzw. könnte die schwarze Dame dann vom weißen Turm geschlagen werden.  Er nimmt dann den Platz am Kreuzungspunkt des Sperrfeuers ein. Übersieht das der weiße Spieler aber, so kann er im nächsten Zug oder später daran nichts mehr ändern. Die Dame ist dann eben durchs Sperrfeuer gekommen.

Sperrfeuer: Die neue Regel gilt für den Turm, den Läufer und die Dame. Die anderen Figuren hatten das Sperrfeuer bisher schon. Ein Springer kann durch Überqueren des Sperrfeuers nicht erlegt werden, nur wenn er genau auf ein bedrohtes Feld fährt. Aber das war ja bisher schon so. Auch der König oder ein Bauer können ein Sperrfeuer errichten.


Anmerkung:
Die hier ergänzend angeführten Regeln würden das Spiel der Könige nicht nur interessanter, lebhafter und variantenreicher machen, sondern auch den Praxisbezug verstärken. Vielfach hört man ja schon, dass beim Schach schon so viel ausanalysiert wurde und sich daher schon sehr viele Varianten totlaufen. Das Aussetzen des Zugzwanges, das Schlagen des Königs, das Eliminieren von Patt, das strategische Aufstellen und das Sperrfeuer würden wieder neue, erfrischende Impulse bringen.  
DWkfm. Wolfgang Hauptwall 
Graz im Jänner 2006


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